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31. Januar 2022
Redaktion

Klimafreundlich und nachhaltig dämmen

Angesichts der steigenden Energiepreise spielt die Wärmedämmung beim Hausbau und der Gebäudesanierung eine Schlüsselrolle. Immer mehr Hausbesitzer und Bauherren entscheiden sich hierbei für Dämmmaterialien aus natürlichen und nachhaltigen Rohstoffen. Aufgrund ihrer CO2-neutralen Ökobilanz schonen Naturdämmstoffe Umwelt und Klima, verbessern durch ihre vielen positiven Eigenschaften aber ebenfalls das Raumklima und die Wohngesundheit. 

 

Foto: S2 GmbH

„Neben einer ausgezeichneten Wärmedämmung im Winter, bieten die Dämmmaterialien nicht nur optimalen Hitzeschutz im Sommer, sondern ebenfalls einen -ausgezeichneten Schallschutz.“ Christian Schaar, Geschäftsführer der S2 GmbH. Foto: S2 GmbHIm Unterschied zu fossilen und mineralischen Rohstoffen zeichnen sich natürliche Dämmstoffe durch ihren geringen Energieverbrauch bei der Herstellung aus. Viele von ihnen stammen zudem aus regionaler Land- und Forstwirtschaft, sodass die Transportwege deutlich kürzer sind. Darüber hinaus haben Naturdämmstoffe viele positive Effekte auf die Wohngesundheit. Sie sind wasserdampfdurchlässig und gleichen durch ihre feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen sehr gut aus, so dass sich das Raumklima deutlich verbessert. Zusätzlich sind sie nahezu schadstofffrei und einige Naturbaustoffe, wie zum Beispiel Schafwolle, können schädliche Stoffe wie Schimmel oder Formaldehyd sogar neutralisieren. Neben einer ausgezeichneten Wärmedämmung im Winter, bieten die Dämmmaterialien nicht nur optimalen Hitzeschutz im Sommer, sondern ebenfalls einen ausgezeichneten Schallschutz.

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Was ist bei nachhaltigen Dämmmaterialien zu beachten?

Dennoch unterscheiden sich Naturdämmstoffe in einigen wesentlichen Punkten von konventionellen Dämmmaterialien. Die meisten sind normal entflammbar und gehören der Baustoffklasse B2 an. Um den Brandschutz zu verbessern, werden die Naturdämmstoffe deshalb mit Brandhemmern und künstlichen Bindemittel behandelt, wie Borsalz, Ammoniumsulfat oder Ammoniumphosphat. Auch hinsichtlich der Wärmeleitfähigkeit, Verarbeitung und des Verwendungszwecks weisen Naturdämmstoffe Unterschiede auf. Während zum Beispiel Polysterol eine relativ niedrige Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,032 und 0,040 Watt pro Meter und Kelvin hat, ist diese bei Naturdämmstoffen deutlich höher. Das bedeutet, bei der Dämmung sind dickere Materialstärken erforderlich, um dieselbe Dämmwirkung zu erzielen. Zudem eignet sich nicht jeder natürliche Dämmstoff für alle Dämmmaßnahmen an Gebäuden. Auch die höheren Anschaffungskosten sind bei der Wärmedämmung mit nachhaltigen Dämmmaterialien einzukalkulieren. 
 

Tabellen 1+2: Wesentliche energetische und bauphysikalische Kennzahlen verschiedener Dämmstoffe.

 

Foto: Ingo Bartussek/stock.adobe.comDie wichtigsten Naturdämmstoffe auf einen Blick

Baumwolle kommt in Form von umweltfreundlichen Matten im Bereich des Daches, zum Ausstopfen von Hohlräumen oder für die Trittschalldämmung zum Einsatz. Allerdings ist Baumwolle nicht sehr resistent gegenüber Schimmelbildung und Insektenbefall. Um die Brandschutzeigenschaften zu verbessern, wird das Rohmaterial zudem mit Borsalz imprägniert.
 
Blähton wird aus einheimischem, kalkarmem Ton hergestellt. Er zeichnet sich vor allem durch seinen hohen Wärmeschutz im Sommer und sehr gute schalldämpfende Eigenschaften aus. Vorteilhaft ist, dass er resistent gegenüber Pilz- und Schädlingsbefall ist und sich wiederverwenden oder nachhaltig entsorgen lässt. Nachteilig ist hingegen, dass bei der Herstellung sehr viel Energie benötigt wird und damit die Treibhausgasemissionen recht hoch ausfallen. Aufgrund seiner hohen Wärmeleitfähigkeit empfiehlt es sich, Blähton bei der Fassadendämmung mit anderen Dämmstoffen zu kombinieren.
 
Flachs und Hanf zeichnen durch einen sehr guten Wärmeschutz aus. Hanfmatten eignen sich für die Dach-, Wand-, Decken- und Trittschalldämmung während Flachsmatten nahezu ausschließlich an Dächern und in Geschossdecken zum Einsatz kommen. Beide Naturdämmstoffe benötigen jedoch Zusätze, wie zum Beispiel Polysterol für die Verbesserung der Stabilität (Hanf) oder Brandschutzmittel (Flachs). 
 
Holz wird bei der Wärmedämmung in Form von Holzfaserdämmplatten verwendet, die aus fein zerriebenen und gepressten Holzfasern bestehen. Holzfaserdämmplatten eignen sich gleichermaßen für die Aufdach- und Wanddämmung wie für die Trittschalldämmung von Decken sowie Zwischensparrendämmung. Als Putzträgerplatte können sie außerdem bei der Fassadendämmung in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) zum Einsatz kommen.
 
Kokosfasern können zu Filzen, Matten oder Platten verarbeitet werden. Sie eignen sich sehr gut für die Außendämmung von Fassaden, die Innendämmung von Decken und Wänden sowie für die Dachdämmung. Darüber hinaus kommen sie in Form von Stopfwolle zum Füllen von Hohlräumen an Fenstern und Türen zum Einsatz.
 
Kork wird in Form von Korkgranulat für die Zwischensparrendämmung verwendet, während sich Backkorkplatten für WDVS oder die Aufdachdämmung eignen. Kork hat den Vorteil, dass es kaum Nässe aufnimmt.
 
Perlite wird aus dem Vulkangestein Perlit gewonnen und selbst ohne Zusätze unbrennbar. Als loses Granulat kommt es klassischerweise für Decken- und Dachhohlräume zum Einsatz. Inzwischen gibt es jedoch auch komplette Wärmedämmverbundsysteme aus Perlitdämmplatten, die vor allem durch ihre hohen Brandschutzeigenschaften besondere Bedeutung haben.
 
Schafwolle kann durch das Eiweißprotein Keratin Schadstoffe binden und die Raumluft reinigen. In Form von Vlies, Matten, Filz, Platten oder Wollballen ist sie vielseitig einsetzbar, auch in der Außendämmung von Fassaden. Denn Schafwolle kann bis zu einem Drittel ihres eigenen Gewichts an Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Im Innenbereich eignet sich Schafwolle für Raumdecken und den Boden.
 
Schilf ist einer der ältesten Dämmstoffe. Da er kaum verrottet und keine Feuchtigkeit aufnimmt, können sich weder Schimmelpilze noch Fäulnis bilden. Zudem hat Schilf durch seinen hohen Kieselsäuregehalt brandhemmende Eigenschaften. In Form von Platten findet es Anwendung für die Dämmung von Außenwänden und Decken.
 
Seegras und Stroh können mit einem besonders niedrigen Energieaufwand hergestellt werden. Stroh wird meist zu Ballen gepresst und eignet sich für die Dach- und Trittschalldämmung oder das Auffüllen von Hohlräumen. Seegras ist eine Alternative zu Stroh und besteht aus zerkleinerten und gereinigten Fasern, die für die Hohlraumdämmung in Decken, Wänden und Dächern im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden.
 
Zelluloseflocken werden aus Altpapier hergestellt und sind besonders kostengünstig. Die Zelluloseflocken können lose aufgeschüttet, offen aufgeblasen, in luftdichte Hohlräume eingeblasen oder in einem Feuchtsprühverfahren eingebracht werden. 
 
Christian Schaar
 
Der Autor ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros, dessen Schwerpunkt ebenfalls der ökologische Holzbau ist, wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.
 
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Foto: kuraphoto/AdobeStock_428914080
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